Jürgen Huber †

  • Jürgen Huber † 22. Mai 2022                                                                                                                                                                             

 

Vor etlichen Jahren fanden sich in Salzburg einige ältere Herren, welche in jungen Jahren Radrennen fuhren oder es im fortgeschritten Alter noch immer nicht lassen können und erfolgreich Seniorenrennen bestreiten, zu einer Stammtischrunde zusammen der auch Jürgen Huber angehörte. Ebenfalls mit dabei war sein Sportkamerad aus aktiven Jahren, Schmid Alfred, dem es besonders leid tut, dass er heute hier nicht anwesend sein kann.

"Salzburgs Mister Radsport ist tot"

konnte man vergangenen Samstag in den SN in einem Nachruf auf einen der fleißigsten Sportfunktionäre Salzburgs lesen. In die Trauer, welche diese Zeile bei seinen vielen Freunden, besonders bei jenen der Radsportszene auslöste, mischte sich bei mir auch ein klein wenig Freude dazu. Freude über diesen schönen Titel, der im posthum von Joachim Glaser verliehen wurde.

Salzburgs Mister Radsport – 3 Worte, die nicht treffender hätten sein können und die – seine unermüdliche Arbeit dazu in Verbindung gebracht – auch etwas Respekt- und Ehrfurcht-gebietendes haben; denn ohne Jürgen Huber lief, oder besser radelte, in Salzburgs Radrenn-Szene überhaupt nichts. Nach der Euphorie, welche die Rundfahrtsiege von Richard Menapace bei einem breiten Publikum ausgelöst hatte, wurde es im Salzburger Radsport etwas stiller. Es waren zwar etliche ehrgeizige Radler bei div. Rennen unterwegs, u. a. Jürgen Huber selbst und nicht wenige der hier Anwesenden, aber die ganz großen Erfolge blieben doch Mangelware.

Zu Beginn der 70er-Jahre übernahm dann Jürgen Huber die Radsport-Sektion des ARBÖ Salzburg. Und es war beinah, als hätten einige der großen Talente nur darauf gewartet, dass sie Jürgen Huber zu den Rennen kutschiert und ihnen noch einige gute Tipps mit auf den Weg gibt, um jetzt mit besonderem Einsatz loszuradeln. Eine Erfolgsmeldung jagte die andere. Rundfahrtsiege, Etappensiege und beste Platzierungen, Jugendtoursieg, Militärweltmeister, Teilnehmer beim RAAM, Österreichische Meisterschaften, Olympiateilnehmer und, und, und. Ich nenne hier absichtlich keine Namen, weil ich sicher einige vergessen würde, und die Insider wissen ohnehin wer, was, wo und wann gewonnen hat, und wenn nicht, dann fragt so wie ich Kurt Piterka, der ein sehr umfangreiches Radsport-Archiv aufgebaut hat.

Jürgen Huber war aber nicht nur für die Sieger da, er kümmerte sich genauso für die weniger Erfolgreichen, und versuchte, jeden nach einem sportlichen oder menschlichen Tief wieder aufzubauen, gab Trainingstipps und wenn nötig auch Trost. Ja, Jürgen kümmerte sich praktisch um alles und das über 3 Jahrzehnte lang – er war, und das im besten Sinne des Wortes, ein Multifunktionär. Ob am Abend vor einem Rennen als Pflastermaler, um den Fahrern die Richtung anzuzeigen, ob als Startnummernwäscher und -bügler, damit die Herren Fahrer saubere und glatte Nummern am Trikot hatten – er war sich für nichts zu schade.

Von diesen vielen Tätigkeiten wissend, kam dann ein Redakteur auf die Idee, Jürgen Huber in einem Artikel als »Mädchen für alles« zu bezeichnen. Das »Für alles« war ja nicht zu widerlegen, aber das Wort »Mädchen« gefiel dem Jürgen nicht so sehr. Bei seiner Verabschiedung als aktiver Funktionär im November 2003 ersuchte er darum, ihn nicht mehr so zu titulieren. Und zu dieser Abschiedsfeier kamen nicht nur die Radfahrer, es erschien auch die »hohe Politik« mit einem Landesrat und einem radsportbegeisterten Bürgermeister an der Spitze.

Es stand ja die Rad-WM 2006 vor der Tür, und dass diese überhaupt nach Salzburg vergeben wurde, war auch zu einem kleinen Teil und indirekt Jürgen Huber zu verdanken. Denn ohne die großen Erfolge der Salzburger Radler wäre man auf Salzburg als Veranstaltungsort  nicht aufmerksam geworden, und auch die Politik und die Tourismusverantwortlichen, welche ahnten, dass mit den Radfahrern hier eine neue Zielgruppe  entstanden war, ließen sich von der Begeisterung, welche schon nach den Rundfahrtsiegen von Herbert Spindler und Gerrit Glomser entstanden war, anstecken. Ja, und als interessantes Detail am Rande, führte dann die Strecke der vor der Tür stehenden Rad-WM fast direkt an der Haustür von Jürgen in Leicharting vorbei.

 Hier hatte er sich ein kleines Refugium geschaffen, mit seinem Blumengarten, den er liebevoll pflegte und hegte, und mit misshandelten Katzen, die er rettete und ebenfalls mit einem sicheren Zuhause verwöhnte. So war der Jürgen, wie wir ihn kennen – ich selbst und gar nicht so wenige Rennradler, wie H. Spindler und P. Muckenhuber, Kurt Piterka, Manfred Hofer und einige andere kennen ihn aber auch noch als Berufskollegen. Er war ja gelernter Buchdrucker und ich weiß, dass er wirklich stolz darauf war. Schon wenige Jahre nach Abschluss seiner Lehre beim »Kiesel« avancierte er zum Abteilungsleiter der Buchdruckerei. Das war damals keine Selbstverständlichkeit, und auch hier halfen ihm seine positiven Eigenschaften, von denen später die Radler profitierten: Genauigkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, Einsatzbereitschaft, Freude an der Arbeit und Pflichtbewusstsein – ein Wort, das bei uns schon fast zum Fremdwort geworden ist.

Lieber Kollege Jürgen Huber, lieber Radsportfreund, ich möchte mich im Namen aller Anwesenden und jenen, die, aus welchen Gründen immer, jetzt nur in Gedanken bei uns sind, von dir verabschieden mit dem Zunftgruß des Graphischen Gewerbes, der »wohledlen Buchdruckerkunst« wie auf unseren Gautschbriefen zu lesen steht, und wir entbieten dir, lieber Jürgen als Salzburg Mister Radsport, ein kräftiges und respektvolles »Gott grüß‘ die Kunst«.

Servus Jürgen.

Günter Fischwenger und der Stammtisch der "Alten Salzburger Radler"